Stadt Memmingen:Stadtklimakonzept Memmingen

Bauwesen

Stadtklimakonzept Memmingen

Mit dem Stadtklimakonzept (SKK) geht die Stadt Memmingen jetzt die Anpassung an den Klimawandel an. Ziel des SKK ist es, einen fundierten Anwendungskatalog zu erstellen, der sowohl räumliche als auch gesamtstädtische Handlungsempfehlungen beinhaltet und konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung vorstellt. Als Ergebnis sollen durchgrünte Stadträume, nachhaltig gestaltete Bauprojekte und gut nutzbare Freiräume entstehen, welche die Lebensqualität der Einwohner Memmingens langfristig sichern. Das SKK wird in zwei Stufen erarbeitet.

Hitze in Memmingen – erste Analyseergebnisse liegen vor

Die erste Stufe der Erstellung des SKK ist abgeschlossen und damit ein wichtiger Meilenstein erreicht. In Stufe 1 liegt der Fokus auf der Analyse der Bestandssituation. Neben Aspekten der Stadtstruktur und Freiraumversorgung steht vor allem die Analyse der lokalen stadtklimatischen Situation im Vordergrund.

Mithilfe des digitalen Klimamodells FITNAH-3D wird ein Sommertag in Memmingen simuliert, der statistisch an etwa 30 Tagen pro Jahr in der Art auftritt. So kann für jeden Ort im Stadtgebiet die spezifische Hitzebelastung dargestellt werden. Als Ergebnis wird daraus die bioklimatische Belastung im Siedlungsraum und die Bedeutung von Grün- und Freiflächen als Ausgleichsraum für die Menschen ermittelt. Da am Tag und in der Nacht unterschiedliche Bereiche von Hitze betroffen sein können, wird die Tag- und die Nachtsituation untersucht. Stark versiegelte und verdichtete Bereiche heizen sich z.B. über den Tag sehr stark auf und speichern die Wärme bis tief in die Abendstunden. Deshalb sind sie sowohl am Tag als auch in der Nacht von Hitzebelastung betroffen.

Die Grün- und Freiflächen spielen am Tag für die Bevölkerung als Entlastungsräume eine große Rolle. Deshalb wird für sie die sogenannte humanbioklimatische Bedeutung ausgewiesen. Sie gibt an, wie hochwertig eine Fläche in der Tag- bzw. Nachtsituation für das menschliche Wohlbefinden in der umgebenden Siedlung ist. Tagsüber spielen vor allem kühle, verschattete Räume, in denen man Abkühlung finden kann, eine Rolle. So sorgen beispielsweise auf dem Martin-Luther-Platz alte Baumbestände für einen angenehmen Aufenthalt am Tag. Im Gegensatz dazu sind in der Nacht Grünflächen ohne viel Vegetation, wie Rasenflächen oder auch Ackerland sehr bedeutend. Sie sind Kaltluftproduzenten und können für eine Kühlung der angrenzenden Siedlung sorgen.

In den Analysen werden auch weitere klimatische Aspekte wie der nächtliche Luftaustausch aufgezeigt. Die Windrichtung der Kaltluft ist wichtig, und insbesondere Kaltluftleitbahnen und -abflüsse sind sehr sensible und schützenswerte Bereiche – sie sorgen dafür, dass Gebiete in der Stadt, die sich tagsüber aufgeheizt haben, nachts gut abkühlen können.

In den Analysen wird klar: In Memmingen sind vor allem die Altstadt und die großen Gewerbegebiete im Norden und Süden der Stadt von Überhitzung betroffen. Doch auch in den Teilorten und kleineren Weilern ist die Hitzebelastung am Tag teilweise „hoch“ oder gar „sehr hoch“. Das liegt vor allem an versiegelten Flächen, die in der Sonne liegen und sich stark aufheizen. Nachts kühlen die kleinen Ortschaften gut aus, während es im dicht bebauten Stadtzentrum und manchen Wohngebieten auch nachts noch eine hohe Hitzebelastung gibt. 

Für die Stadt Memmingen wurden mit Hilfe der Stadtklimaanalyse verschiedene thematische Hotspots identifiziert. Dabei handelt es sich um hitzebelastete Stadtbereiche, in denen es besonders wichtig ist, die Temperaturen im Sinne des Wohlbefindens und der Gesundheit der Bevölkerung zu senken. 

Die „Hotspots Wohnumfeld“ sind beispielsweise hitzebelastete Bereiche mit einer besonders hohen Bevölkerungsdichte, wo also überdurchschnittlich viele Menschen von den hohen Temperaturen betroffen sind. 

Als „Schutzraum Wohnumfeld“ werden diejenigen Räume bezeichnet, in denen eine hohe Bevölkerungsdichte vorliegt, die klimatische Situation jedoch aufgrund durchgrünter Stadtstrukturen noch gut ist. Hier ist es besonders wichtig, die Grünstrukturen zu erhalten und eine Verschlechterung der Situation bei fortschreitendem Klimawandel zu verhindern.

Weitere thematische Hotspots identifizieren Räume, in denen sich Menschen vornehmlich am Tag aufhalten und von Hitze betroffen sind, sowie Räume, in denen die Grünversorgung nicht ausreichend ist. „Hotspots Aufenthalt am Tag“ sind hitzebelastete Bereiche, in denen sich tagsüber viele Menschen aufhalten – sei es am Arbeitsplatz oder etwa bei Besorgungen in der Innenstadt. Hier sind schattige Bereiche, etwa in Parks und Grünanlagen, in denen man sich gut abkühlen kann, von großer Bedeutung. 

In Stufe 2 der stadtklimatischen Untersuchung für Memmingen wird das eigentliche Stadtklimakonzept erstellt. Es werden Handlungsfelder definiert und gesamtstädtische, strategische als auch konkrete lokale Maßnahmen formuliert. Strategische Maßnahme kann zum Beispiel die Sicherung und klimaoptimierte Entwicklung von Freiräumen sein. Sie sind besonders wichtig für den Kaltlufthaushalt, stellen aber auch Erholungsflächen für die Bewohnerinnen und Bewohner dar. Eine konkrete lokale Maßnahme kann die Begrünung von Dächern oder Fassaden sein. Sie kühlen über die Verdunstung an heißen Tagen die gebäudenahen Luftmassen ab. Die Maßnahmen werden in einen Maßnahmenkatalog übertragen. Zusätzlich werden gesamtstädtische und miteinander vernetzte Konzeptpläne erstellt. Sie zeigen die optimale Anpassung an die zunehmende Hitzebelastung und die Stärkung und den Schutz des Entlastungssystems für Memmingen auf und werden durch eine Umsetzungsstrategie ergänzt.